Nun beginnt so langsam wieder die Zeit des Zwielichts und der Ahnen. In der schamanischen Welt aller Kulturen ist die Ahnenkraft hoch geehrt und etwas ganz Besonderes. Hierzulande ist das Thema Ahnen mehr als zwiegespalten. Die Generation Scham und Schuld hüllt sich nach wie vor in großes Schweigen. Das schwer traumabesetzte Erbe Nazideutschlands wird über die Generationen weiter getragen. Zeit hinzusehen und den Kreis zu durchbrechen.

Ich gebe zu diesem Thema nun meine eigenen Erfahrungswerte wieder.

Auch in meiner Ahnenlinie sind die Kriegswirren, die Scham, die Schuld, mehr als präsent und mit Exemplaren ausgestattet, die mir als geborenes schwarzes Schaf der Familie regelrecht an die Wäsche wollten. Mit Ahnenkraft konnt ich sehr lange nix anfangen. Wie auch.

… zuweilen ist es wohl ein ganz eigener Prozess mit den werten Ahnen. Vor allem in unserer Scham und Schuld Generationen des großen Schweigens Nazideutschlands. So hatt ich begründetes Misstrauen und habe nach wie vor großen Respekt vor der Ahnenarbeit. Ich mach das nicht dachte ich… bis ich mitten drin saß. „Mach den Feind zu deinen Verbündeten“ sagten die Geister. Zugegebenermaßen ging mir dabei der Allerwerteste maximal auf Grundeis. Ich bin aufgefordert hinzusehen. Zu dem Grauen meiner und vieler Vergangenheit und wie es uns noch heute prägt. Hinschauen, schweigen brechen, nicht gutheißen aber verstehen. Frieden machen. „Die grausamen Ideale dieses Psychopathen haben es nicht möglich gemacht, Liebe und Mitgefühl zu empfinden, sonst hätte man das alles niemals tun können. So konnte ich auch keine Liebe an meine Nachkommen weitergeben. Hab Nachsicht mit Deiner Mutter. Sie konnte nicht anders. Diese Vergangenheit was darf sich niemals wieder wiederholen. Niemals!“

So fuhr ich los, getrieben von einer inneren Unruhe, in den Osten Deutschlands und landete ungeplant an einem Denkmal. Einem Mahnmal. Ein wunderschöner Platz zwischen Wäldern, Hügeln und Talsperre, der seines Gleichen sucht. Hier wurden 1945 21 KZ-Häftlinge vom Regime ermordet. Gestorben. Völlig sinnlos. Weil sie Andersdenkende waren! Zufällt blühte in der Nähe Johanniskraut, eigentlich zu spät für die Jahreszeit. Hier stand ich nun, legte Blumen nieder, rauchte meine Friedenspfeife und sah hinein.  Die Abendsonne beleuchtete golden die Szene. Tränenüberströmt lernte ich über mein eigenes Erbe. „Ich sehe euch. Mögen eure Seelen Frieden finden. Unvergessen“. Nun verstand ich. Auf einer anderen Ebene. Nein es war nicht gut, aber es ist vorbei und wir können nur daraus lernen und es besser machen. Freiheit ist das höchste Gut. Aktuell scheint dieses wertvolle Gut wieder bedroht. Daher – brechen wir das Schweigen und wandeln den Schrecken in Kraft …

Und dieses Hinsehen wurde belohnt. Mit Kraft und Fluss. Danke.

Mein Fazit.

Ich weiß nun auch, das die Ahnenkraft eine ganz besondere Kraft ist. Aber dennoch ist man schlecht beraten, etwas überstürzen zu wollen, was die Ahnenarbeit angeht, wenn zu viel Misstrauen, Missbrauch und Zwietracht die Sippschaft belastet. Es ist eine Arbeit die sehr viel Sensibilität benötigt. Alternativ ist es gut möglich, erstmal mit sich selbst zu arbeiten und Frieden mit sich Selbst zu machen bevor man einen Schritt mit erfahrener Begleitung weiter geht.

In der eigenen DNA ist alles gespeichert, unsere Ahnen, unser Erbe, das bedeutet auch Talente, Fähigkeiten und eine gute Mischung aus Einzigartigkeit. Frieden mit sich wirkt sich auch auf die Ahnenlinie und die Nachkommen über mehrere Generationen aus. So kann man behutsam einen Schritt nach dem anderen gehen. Eine fordernde, aber lohnenswerte Aufgabe. Und wie ich finde sehr wichtig in der heutigen Zeit. Höchste Zeit, die alten destruktiven Energien in positive Kräfte für die Zukunft zu wandeln.

© Yvonne Wildnatur