Wir sind viele…

Hinsehen. Nicht vergessen. Es gibt einen Grund warum die Nazi-Denkmäler im ganzen Land Mahnmale heißen. Und nein, all das beschränkt sich nicht auf den Osten der Republik. Es ist eine ganzdeutsche Krankheit, von Sabine Bodhe auch recht treffend als die Krankheit „German Angst“ bezeichnet. Unser kollektives Trauma. Das große Schweigen, grenzenlose Scham und Schuld. Der Schrecken des Krieges und der grausame Völkermord hat nicht in Worte zu fassende Spuren hinterlassen. Die letzten Generationen erstarren lassen. Viele wählten den Weg der Verwahrlosung, Alkohol, Gewalt und/oder Suizid. Warum? Weil zuweilen alles besser war als das Vergangene nochmal fühlen oder erinnern zu müssen. Das bedeutet in keinster Weise ein entschuldigendes Gutheißen, aber Verstehen, Realisieren, aufarbeiten. Die Aufarbeitung steckt noch immer in den Kinderschuhen, ist aber möglich.

Und Glückwunsch wir habens wieder geschafft. Zensur. Menschen, Kinder, Schutzbedürftige im Abseits, anders Denkende werden an die Wand gestellt, Menschenversuche. Es hat nie wirklich aufgehört, nur in den Hintergrund gedrängt, in die stille Kammer des Schweigens – und die Tür vernagelt. Versucht zu vergessen, die Kinder angewiesen zu vergessen. Meist hat man dabei auch sich selbst vergessen.

Jetzt ist es wieder da und größer, global, und wieder legal mit Befehl von oben, von denen die glauben das man Geld fressen kann. Dieses fucking Game ist so alt wie die Menschheit selbst. Macht und Abhängigkeiten, Opfer Täter, Täter Opfer, Leute die die Weltherrschaft wollen. Immer das Gleiche, immer wieder von vorn mit anderen Darstellern. 

Wie lange wird man noch zusehen? Urvertrauen wird auf eine harte Probe gestellt. Nur noch ein letztes Mal? Bis der Vorhang endlich fällt weil wirs kapiert haben? Nur eins ist diesmal anders. Die Freiheitsbewegung ist größer denn je und es werden mehr. Es berührt mich wenn Menschen auf die Straße gehen und singen. Jeder von uns ein Teil im großen Gewebe des Lebens. Egal ob wir draußen singen oder zu Hause. Die Vibes werden ankommen. Scheiß auf LD. Es ist Zeit diesen Kreis zu durchbrechen. Lasst uns zusammen stehen. Daraus lernen, es anders machen.

Lasst uns Wege finden. Lasst uns singen und weinen. Lasst uns lachen. Auch wenn es mehr ein dämliches Grinsen ist. Lasst uns schreien und brüllen für Generationen. Lasst uns wieder spielen. Lasst uns bunt sein. Hinsehen, auf unsere eigenen Traumen und heilen, Schritt für Schritt, auch wenn Heilung zuweilen quälen kann. Wenn das Trauma mal gesehen ist und entsprechend gewürdigt, dann kann die Tür zu gemacht werden. Die eigene Geschichte bekommt eine neue Bedeutung, neue Kapitel können begonnen werden.

Für eine bessere Zukunft. Für die, die nach uns kommen, für unsere Kinder und für unsere Seelen, die reifen wollen um weiter zu gehen.

 

Yvonne Wildnatur
Schamanin