Das Runenzeichen Sowilo – Sonne. Nur Weniges triggert uns in unserer Kultur mehr als unser schatten- und schambehaftetes Erbe einer grausamen Gewaltherrschaft. Beispielhaft für den egozentrischen Missbrauch der Lebenskraft, der Magie, der Freiheit und überhaupt aller Werte des menschlichen Daseins. Noch immer wird geschwiegen, und vor lauter Angst gleich die ganze Sowilo in die rechte Ecke platziert. Das ist aber nicht das Erste und einzige Beispiel für den Mißbrauch von Ego und Macht, es ist lediglich eines der Jüngsten und noch mitten unter uns. Gewaltherrschaft, Machtmissbrauch, übermäßiger Sonnenkult, die egozentrische Betonung einiger weniger Menschen, die glauben, über Leben und Tod und Schicksal anderer Menschen entscheiden zu können – das ist so alt wie die Menschheit selbst. Wie viele alte Hochkulturen und Sonnenkulte sind an ihrem Höhepunkt zerfallen, verbrannt. Als der Sonnenkult zum Egokult, zum Blutrausch wurde. Als die strahlende Kraft zur schwarzen Sonne wurde. Berauscht von unersättlicher Gier nach immer mehr Macht, nach dem Gold der Erde, in zahlreichen krankmachenden hierarchischen Systemen, in denen kein Platz für Individualität war und noch immer rar ist. Überschattet von der vielen Übermacht, ist eine er weitverbreitetsten schwarzmagischen Handlungen zur Normalität geworden – Selbstsabotage und Selbstzerstörung. Aber indem wir uns Selbst geißeln, entwerten wir das Leben an sich. Das Jetzt, das Heute, den Augenblick – der Zeitpunkt, an dem wir eine neue Zukunft und damit auch eine neue Vergangenheit schreiben können.

Aber was ist Sowilo? Die Sowilo-Sonne ist zunächst einmal und ganz banal unser aller Urkraft. Die Sonne – eine lebensspende, nährende Kraft. Ohne Sonne und Wärme kein Leben. Das ist ein nicht zu leugnendes Urgesetz. Doch kann auch jede Urkraft außer Kontrolle geraten und zerstören. Das liegt in der Natur einer Urkraft. Wasser kann zerstören oder wir ertrinken darin, Stürme können zerstören, ein Übermaß an Erdgebundenheit träge machen, ein weiter gehen verhindern, uns die Flügel stutzen.

Der Solarplexus, das Sonnengeflecht, unser strahlendes Juwel unterhalb des Diaphragmas – der Inbegriff von Willensstärke, Mut und Tatkraft. Als Symbol das Sonnenrad im gelben Lotos. Eine Kraft, mit der wir die Welt verändern können. Auch im Positiven. Eine Energie, in den Herzraum aufstrebend, um damit in Verbindung Neues zu gebären.

Wir können strahlen oder blenden. Für Ideale brennen oder verbrennen. Unser eigenes Seelenfeuer nutzen und die Nacht erhellen oder mit einem Übermaß an Blendkraft andere überschatten und damit ent-werten. Was wir mit der Sonnenkraft persönlich verbinden, was wir daraus machen, entscheiden wir selbst. Die Sonne selbst hat niemals entschieden, zur schwarzen Sonne zu werden und Blut zu trinken. Wir Menschen haben das. Genauso können wir uns auch selbstermächtigt und eigenverantwortlich entscheiden, unsere Sonne als lebensspendende Kraft zu nutzen, die unser Umfeld erhellt und nicht blendet. Es ist eine Gratwanderung, ein Lernprozess, eine Neuorientierung für jeden einzelnen von uns. Bereit für die Herausforderung? Bereit, die Krone aufzusetzen und zu gehen? Bereit hinzufallen und aufzustehen und weiter zu strahlen? Die eigenen Fäden wieder in die Hand zu nehmen? Schicksal ist keine unabänderliche Tatsache. Schicksal schreiben wir in jedem Augenblick unseres Lebens selbst.

Yvonne
Schamanin