Berkana und ich. Eine zaghafte Annäherung… in eine segenbringende Kraft.

Ich bin von Geburt an Mädchen, Frau, weiblich. Ja, eines jener mysteriösen Wesenheiten, was mir selbst Fragen aufwirft. Was bin ich, was ist das eigentlich? Seit Jahrtausenden ist das männliche Prinzip an der Front und erklärt uns,  was weiblich ist. Titten, Küche, Kinder kriegen. Klein und ängstlich bleiben. Schließlich ist das verführerische Weibsstück nix weiter als ein Stück Rippe naiv gläubiger Männlichkeit oder? Und wenn ein Mädchen das Schwert zückt, mit Maschinen arbeitet, naja dann ist es entweder verachtenswert, nicht vermittelbar oder eine Heldin sondersgleichen, angsteinflößend, da nicht normal. Laut alt-psychologischer Deutung Penisneid. Hä? Da soll einer mal noch durchblicken. Klar versteht mein rationaler Kopf diese Dinge und wundert sich. Ich selbst sollte auf gar keinen Fall als Mädchen auf diesen Planeten rumlaufen. Und wenn, dann zumindest als zäher Kerl im weiblichen Körper. Dieser weibliche Körper blieb mir über die Jugend hinaus fremd. Nicht (an)fassbar.

Es ist Zeit sich zu erinnern – an die nährende Kraft einer Quelle, die kaum zu versiegen mag. Weil ihre Milch wahrhaftiger Liebe bedingungslos sprudelt und stand hält, im Krieg der Zeit. Geduldig wartet sie mit vollen Brüsten auf die ausgezehrten Körper und Seelen, um davon zu trinken und satt zu werden, damit diese auch selbst wieder lieben lernen, lernen, sich selbst und andere zu nähren. Dabei wird sie selbst niemals leer, weil sie verbunden ist, mit der großen Mutter, von der sie  immer wieder trinkt, im nie endenden Kreislauf von nähren und nähren lassen.

Berkana brachte nun Segen und eine (für mich) neue Vorstellung von Weiblichkeit, wenn auch etwas zäh.

Denn auch ich bin Klischeegeschädigt. 15 Jahre lang war ich die Frau am Bau, es war eine wirklich geile Zeit mit den Jungs, die ich nicht missen möchte. Ich liebe Jungs, dafür das sie Jungs sind. Kerle mit unglaublich sensiblen Kernen, denn auch ihnen hat das Klischee viele Dinge erzählt, was ein Mann zu sein hat und was nicht.

Erst am letzten Tag Berkana ging der verdammte Knoten weiter auf und ich beginne zu verstehen. Also das Verstehen jenseits von reiner Logik. Eine Woche verbrachte ich mit Berkana-Energie. Mit Magie, Familie, nährender Kraft. Eine Liebe ohne Eierkuchen. Authentisch, klar, ehrlich. Schützend und los lassend zugleich. Nein Weiblichkeit hat nix mit Blümchensex zu tun. Es ist eine Kraft, die, wenn sie erstmal das Licht der Welt erblickt, gut geführt werden will, weil auch sie eine Urkraft ist, die genauso aufbauend wie absolut tödlich und zerstörend sein kann.

Das Wissen über die unendliche Tiefe der Seelen, ein Sehen in die Dinge wie sie sind. Das Wissen, wie es den Seelen hinter den vielen Maskeraden und Fassaden wirklich geht, wenn ihre wissenden Augen hinter die scheinbare Offensichtlichkeit blicken. Das Erfahren, wie diese Seelen loslassen und vertrauensvoll in die Arme sinken, wenn sie sich an der nährenden Milch laben. So ist es nichts anderes als Liebe, dieses Vertrauen als Geschenk anzunehmen und zutiefst zu ehren. Wenn ihr Gesang den Seelen erlaubt, loszulassen wenn es Zeit dafür ist. Wenn der Gesang La Lobas die toten, geschundenen, müde gewordenen Seelen und Gebeine wieder zusammensetzt und ins Leben schickt ohne für sich selbst etwas zu erwarten.  Denn sie weiß, das auch dann, wenn sie selbst müde geworden ist, die Kraft der großen Mutter mit ihr ist, eine Kraft, die sie an ihrer Quelle berührt und wieder aufrichtet.

(c) Yvonne
Schamanin